Intensivmedizin

Leistungsspektrum

Schwerkranke Patienten werden auf unserer Intensivstation von einem qualifizierten, hochmotivierten Team rund um die Uhr versorgt. Wir bieten das gesamte Spektrum der perioperativen Intensivmedizin an.

Dies beinhaltet die Kurzzeitüberwachung nach OP, eine verlängerte Überwachungspflicht bei großen Operationen und begleitenden Grunderkrankungen bis hin zum schwerstkranken Intensivpatienten mit Beatmungspflicht, Nieren- und Lungenersatzverfahren. Die Überwachung chirurgischer Patienten obliegt unseren Fachärzten für Anästhesie und Intensivmedizin in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Chirurgen. Patienten mit Herz-Kreislaufversagen, akutem Lungenversagen, Sepsis und anderen lebensbedrohlichen Erkrankungen werden nach standardisierten Behandlungskonzepten von unseren erfahrenen Internisten und Intensivmedizinern versorgt. Bei komplexen intensivmedizinischen Problemen arbeiten alle Disziplinen Hand in Hand. Die Intensivstation ist mit modernsten Monitoring- und Diagnosegeräten ausgestattet.

Delirmanagement

Delir ist ein akuter Verwirrtheitszustand, der insbesondere nach großen Operationen, bei älteren Patienten und schweren Erkrankungen auftreten kann. Patienten beschreiben diesen Zustand oft als (Alp-)Traum, welcher von der Realität nicht zu unterscheiden ist. Das Erlebnis dieser anderen, für sie realen Welt ist oftmals sehr beängstigend. Neben der Vermeidung von Auslösefaktoren, z.B. bestimmten Medikamenten, ist es wichtig dem Patienten ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln. Sehhilfen und Hörgeräte sollten benutzt und ein Tag-Nacht Rhythmus eingehalten werden. Ebenfalls ist eine Frühmobilisation hilfreich. Ein regelmäßiger Besuch von vertrauten Angehörigen hilft bei der Reorientierung. Die Dauer des Delirs ist sehr unterschiedlich, beträgt aber meistens einige Tage. Zur Vermeidung eines Delirs versuchen wir die möglichen Auslöser zu reduzieren und im Falle eines Delirs mittels den oben beschrieben Maßnahmen eine schnelle Reorinetierung zu ermöglichen.

Differenzierte Kreislauftherapie, inklusive temporärer Schrittmacherverfahren

Bei schwerkranken Intensivpatienten kann es sinnvoll sein eine erweitere Kreislaufüberwachung durchzuführen, um eine zielgerichtete und differenzierte Therapie mit kreislaufunterstützenden Medikamenten und Flüssigkeit einleiten und überwachen zu können. Zu diesem Zweck werden Spezialkatheter über die Leisten- und oder Halsgefäße eingeführt.

Einstellung von Heimbeatmungsgeräten

Bei Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen, hier insbesondere bei Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung, kann eine intermittierende nichtinvasive Beatmung zu Hause notwendig sein. Um ein optimales Ergebnis und Komfort für den Patienten zu gewährleisten, ist eine sorgfältige Einstellung der Beatmung unter kontrollierten Bedingungen notwendig. Die Ersteinstellung erfolgt bei uns auf der Intensivstation in engmaschiger Zusammenarbeit mit unserem Lungenfacharzt Daniel Girbig.

Elektrotherapie des Herzens

In der Notfallsituation kann der Einsatz eines passageren (vorübergehenden) Herzschrittmachers bei medikamentös nicht beherrschbaren Bradykardien (verlangsamter Herzschlag) notwendig werden. Oft wird dieses Stimulationsverfahren auch genutzt, um die therapeutische Lücke bis zu einer Versorgung des Patienten mit einem dauerhaft implantierten Herzschrittmacher zu schließen. In Abhängigkeit der jeweiligen Situation verwenden wir transkutane (auf der Haut klebende Stimulationssonden) oder transvenöse Verfahren zur temporären Elektrostimulation des Herzen. Bei tachykarden (schnellen) Herzrhythmusstörung kann es notwendig sein, diese mittels Elektrotherapie ( Kardioversion) in einer Kurznarkose zu beenden. In den meisten Fällen sollte vorher ein transösophageale Echokardiographie (Ultraschalluntersuchung des Herzens von der Speiseröhre aus) erfolgen.

Endoskopische Verfahren

Für Patienten mit kreislaufrelevanten Blutungen im Magen-Darm-Trakt oder Lungenblutungen besteht jederzeit die Möglichkeit der endoskopischen Blutstillung. Dies erfolgt in der Regel mittels einer Magen-, Darm-oder Lungenspiegelung in Kurznarkose. Auch kann, insbesondere bei beatmeten Patienten, Sekret mittels einer Lungenspiegelung abgesaugt und weiter untersucht werden. Zudem können spezielle Ernährungssonden endoskopisch gelegt werden.

Enterale und parenterale Ernährung

Neben den lebenserhaltenden Basismaßnahmen spielen auch adäquate Ernährungskonzepte in der Intensivmedizin eine wesentliche Rolle. Eine rechtzeitig begonnene, kalorisch bedarfs- und nährstoffgerechte, optimal zusammengesetzte Ernährung ist ein entscheidender Faktor für eine möglichst kurze Beatmungszeit, eine Verkürzung der Liegedauer, eine minimierte Komplikationsrate und einen prognostisch günstigen Krankheitsverlauf. Zur Einschätzung des Ernährungszustands und Energiebedarfs überwachen wir kontinuierlich Atmung, Körpertemperatur und Stoffwechselparameter. In Abhängigkeit der Art der Erkrankung und der Therapiemaßnahmen kann es erforderlich sein, die Nahrung auf künstlichem Weg zuzuführen: Bei der enteralen Ernährung wird flüssige oder breiförmige Nahrung über Nase oder Mund durch eine Sonde direkt in den Magen-Darm-Trakt verabreicht. Diese Form wird vor allem bei Patienten, die nicht in der Lage sind, selbständig zu schlucken oder bei künstlicher Beatmung gewählt. Unter parenteraler Ernährung versteht man die direkte Infusion von kleinmolekularen Nährstofflösungen in den Blutkreislauf, der Verdauungstrakt wird also umgangen. Sie ist u.a. bei Stoffwechselstörungen, akuten Erkrankungen oder Operationen des Verdauungstraktes indiziert.

Ergänzende Pflege, Schwerpunkt basale Stimulation und naturheilkundliche Pflege (z.B. Aromatherapie)

Wir stehen unseren Patienten zur Seite – und das nicht nur mit unserem medizinischen Know-How. Gerade, wenn es einem schlecht geht, fördern die fürsorgliche Betreuung und individuell auf den Patienten abgestimmte Maßnahmen den Heilungsverlauf. Wir bieten unseren Patienten therapeutische Ansätze wie die Aromapflege oder die Basale Stimulation an. Hierbei regen wir die Wahrnehmung und die Bewegung mittels des Einsatzes von Reizen wie beispielsweise Massagen oder Düften an.

Intermittierende Hämodialyse

Dialysepflichtige Intensivpatienten sowie Patienten mit akuten Nierenversagen behandeln wir in enger Kooperation mit der im Haus ansässigen Dialysepraxis DaVita. Wir führen alle therapeutischen Maßnahmen, wie auch die Hämodialyse direkt auf der Intensivstation durch.

Nichtinvasive und invasive Beatmungstherapie

Unsere Intensivstation verfügt über sechs moderne Beatmungsplätze. Eine künstliche Beatmung ist dann erforderlich, wenn der Patient nicht mehr selbstständig atmet oder die Atmung stark eingeschränkt ist. Das kann nach einer großen Operation, nach einem schweren Unfall oder bei einer schweren Krankheit der Fall sein. Bei der nicht-invasiven Beatmung (NIV) wird der Patient über eine dichtschließende Atemmaske mit ausreichend Sauerstoff und dem nötigen Beatmungsdruck versorgt. Das hat verschiedene Vorteile. Es ist kein künstlicher Zugang erforderlich, das Infektionsrisiko geringer und es kann auf eine tiefe Sedierung verzichtet werden. Zudem bleibt die Kommunikation erhalten und die Beatmung kann bei Bedarf kurzzeitig zur Nahrungsaufnahme und Mobilisierung unterbrochen werden. Die NIV wird als effektive und schonende Therapie bei Patienten mit akuter Ateminsuffizienz, Oxygenierungsstörungen und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) eingesetzt. Sie findet außerdem im Rahmen der Entwöhnung nach einer maschinellen Langzeitbeatmung Anwendung. Die NIV hat jedoch ihre Grenzen. Neurologische Funktionsstörungen, schwere Instabilität des Herz-Kreislaufsystems oder Atemstillstand sind Indikationen für eine invasive Beatmung. Hierbei wird, entweder über Mund bzw. Nase (Endotrachealtubus) oder über eine chirurgisch geschaffene Öffnung der Luftröhre (Tracheotomietubus) ein künstlicher Atemweg gelegt. Der Endotrachealtubus bietet einen sicheren Luftweg, beispielweise bei Patienten mit akuter respiratorischer Insuffizienz (Lungenschwäche). Patienten, die langfristig mechanisch beatmet werden müssen, können dagegen nur über eine Tracheotomie stabil versorgt werden.

Kreislaufmonitoring, inklusive invasiver Messverfahren

Inhalt folgt

Physiotherapie, Schwerpunkt Frühmobilisation/ Kinästhetik

Die Physiotherapie ist ein wichtiger Bestandteil zur ganzheitlichen, intensivmedizinischen Behandlung. Nach dem Prinzip „Ressourcen erkennen, fördern und ausbauen“ unterstützen besonders geschulte Therapeuten unseres Gesundheitszentrums NetteVital unsere Patienten bereits frühzeitig mit gezielten Maßnahmen. Diese dienen beispielsweise der Verbesserung der Beweglichkeit, Kraft und Atemfunktion sowie neurologischer Defizite. Des Weiteren senkt eine frühe Mobilisation auch das Risiko für typische Sekundärkomplikationen, wie Lungenentzündungen, Thrombosen, Dekubitus oder Kontrakturen. Die Frühmobilisation und kinästhetische Therapieansätze werden zudem von unserem Pflegepersonal der Intensivstation durchgeführt.

Schmerztherapie inklusive Regionalanästhesieverfahren

Schmerztherapie und Sedierung (Dämpfung von Funktionen des zentralen Nervensystems) sind wesentliche Bestandteile der intensivmedizinischen Behandlung, ohne die einige Verfahren, z.B. maschinelle Langzeitbeatmungen, nicht durchgeführt werden könnten. Durch aktuelle Therapieverfahren, Beatmungsgeräte und Medikamente sind wir in der Lage, die Sedierungstiefe und die Schmerzbehandlung jederzeit an die jeweiligen Maßnahmen sowie an den Krankheitsverlauf anzupassen – immer mit dem Ziel, die intensivmedizinische Behandlungsphase so schonend und so kurz wie möglich zu gestalten. Da sich viele kritisch kranke Patienten verbal nicht äußern können, legen wir großen Wert auf eine sorgfältige Überwachung des Sedierungs- und Schmerzniveaus. Neben der regelmäßigen Kontrolle von vegetativen Reaktionen wie Tränenfluss, Pupillenweite, Herzfrequenz, Blutdruck und Atemfrequenz kommen dabei moderne Monitoringverfahren zum Einsatz.